Wie Ihnen Achtsamkeit in der Coronakrise hilft

Maria Fahnemann Ruhe

Coronavirus: Wie Achtsamkeit jetzt hilft, seelisch im Gleichgewicht zu bleiben

In diesem Blogpost erfahren Sie, wie Ihnen Achtsamkeit jetzt hilft, seelisch im Gleichgewicht zu bleiben, damit Sie die Belastungen, die wir alle in der Coronakrise aushalten müssen, gut überstehen.

Als ich heute morgen aufwachte, dachte ich für einen kurzen Moment: Das ist gar nicht wahr. Du hast das alles nur geträumt. Es gibt keinen Virus und auch keine Bedrohung.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Dieser Moment  war allerdings wirklich nur ganz kurz. Und ich brauchte auch nicht erst den Blick in die Tageszeitung, um zu verstehen, dass das, was wir gerade durchleben leider doch die Realität ist. 

Ich übe mich darin, zu akzeptieren, dass es im Moment nicht schön ist

Ja, tatsächlich, ich übe. Schließlich sind auch wir Therapeuten nur Menschen und verfügen nicht "von Natur aus" über besondere Fähigkeiten, mit Belastungen umzugehen. 

Aber: wir haben gelernt, mit Belastungen umzugehen, Dinge auszuhalten, die gerade nicht so toll sind. Sonst könnten wir unseren Beruf nicht gut ausüben. Und auch Sie können das lernen.

Und Achtsamkeit hilft dabei.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Akzeptanz. Wenn ich akzeptiere, dass es nun mal so ist, wie es ist, habe ich einen wichtigen Schritt aus der Belastung hin zu mehr seelischem Gleichgewicht getan. Akzeptanz ist aber schon der zweite Schritt. In der Achtsamkeitslehre - und da gibt es eine große Ähnlichkeit mit der kreativen Leibtherapie - lernen wir zunächst, die Dinge erstmal wahrzunehmen, so wie sie gerade sind. 

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Auch das innere Erleben wahrnehmen

Die Situation, die Umstände, auf gut Deutsch, das nervige Zuhausebleiben und Kontaktemeiden, wahrzunehmen ist die eine Hälfte. Wahrzunehmen, dass mich das nervt, wütend oder traurig macht, ist die zweite Hälfte.

Achtsamkeit: erstmal nichts tun

Jetzt wird's etwas kniffliger: Nehmen Sie erst einmal nur wahr, was sich da gerade in Ihrem Gefühlsleben abspielt - und tun Sie nichts. 

Das ist ganz schön ungewohnt, oder? Ich merke, ich bin traurig, wütend oder habe Angst und soll nichts dagegen tun? Normalerweise möchten wir unangenehme Gefühle doch am liebsten gleich abstellen, wegmachen oder unterdrücken. Wer fühlt schon gerne Ärger oder Traurigkeit? Also: weg damit! 

Stopp!

Denn erstens geht bei dem Versuch, diese Gefühle zu bekämpfen ganz schön viel Energie drauf. Und zweitens kann der Kampf gegen das unerwünschte Gefühl dieses noch verstärken. Also: Abstellen ist kein so guter Plan.

Achtsamkeit: würdigen, was ist

Probieren Sie doch einmal folgendes: Nehmen wir also an, Sie merken, dass Sie traurig sind oder sich überfordert fühlen. Sagen Sie sich dann ganz bewusst: "Ich fühle mich in dieser Situation gerade ziemlich traurig" oder "Ich fühle mich zurzeit ganz schön überfordert". Spüren Sie nach, was das mit Ihnen macht. Ja, Sie sind überfordert, Sie haben Angst und das fühlt sich nicht schön an. 

Was ändert sich nun? Nichts? Das ist in Ordnung. Auch hier gilt es, das wahrzunehmen. Es muss sich nichts ändern. Wenn sich etwas ändert, etwa, wenn das Gefühl stärker oder schwächer wird, nehmen Sie auch das einfach nur wahr. Versuchen Sie, nichts zu erwarten und sich nicht zu bewerten. Sie können nun überlegen, ob diese Gedanken und Gefühle gerade hilfreich sind. Wenn Sie gerade zuhause sind und Ihnen der Gedanke an Corona Angst macht, ist dieser Gedanke wahrscheinlich gerade nicht sehr hilfreich. Warum? Er ändert nichts an der gegenwärtigen Situation. Es sei denn, es gibt etwas, das Sie jetzt wirklich konkret tun können,  zum Beispiel um für sich für die Zeit nach der Krise zu rüsten. Ist das nicht der Fall, hilft Ihnen der Gedanke und die damit verbundene Angst gerade nicht. 

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem

Nächster Schritt: Bewusst atmen 

Ok, Sie haben Ihre Gefühle bewusst wahrgenommen und nichts dagegen unternommen, als sie wahrzunehmen.

Prima! 

Lenken Sie im nächsten Schritt Ihre Aufmerksamkeit auf Ihren Atem. 

Auch hier gilt es, nur den Atem wahrzunehmen. Tun Sie das ein paar Atemzüge lang. Sie brauchen Ihren Atem dazu in keiner Weise zu verändern - er ist völlig ok so, wie er gerade ist. 

Und nun: ins "Hier und Jetzt" kommen

Im nächsten Schritt konzentrieren Sie sich auf das, was sie gerade tun, jetzt in diesem Moment. Und wenn Sie auf dem Sofa sitzen, sitzen Sie auf dem Sofa, konzentrieren Sie sich genau darauf. Spüren Sie das Sofa unter Ihnen, spüren Sie die Füße auf dem Boden (oder wo immer diese gerade sind). Wenn Sie gerade Essen vorbereiten, ist es das, worauf Sie sich jetzt konzentrieren. Fühlen Sie die Konsistenz der Lebensmittel, mit denen Sie gerade arbeiten, nehmen Sie den Duft wahr, der von ihnen ausgeht, spüren Sie ganz genau hin, wie das Messer die Zwiebel schneidet. 

Wenn Sie mögen, sagen Sie "Ich - Jetzt - Hier" vor sich hin. Das hilft Ihnen dabei, im Hier und Jetzt anzukommen. Versuchen Sie, so lange wie möglich das bewusste Da-Sein im Hier und Jetzt aufrechtzuerhalten. Die Angst darf sich dabei langsam auflösen.

Achtsamkeit ist Übungssache

Wenn Ihnen diese Übung gerade gelungen ist, können Sie sich gratulieren. Achtsamkeit ist nämlich eine Sache des Trainings und der Übung. Und das lohnt sich. 

Üben Sie zu jeder Gelegenheit, ins Hier und Jetzt zu kommen. Nicht nur, wenn unangenehme Gedanken oder Gefühle Sie überkommen. Eine gute Idee ist es, kleine Achtsamkeitsübungen fest in Ihren Alltag zu integrieren, zum Beispiel jeden Morgen nach dem Aufstehen. Ich persönlich mache das immer gerne, wenn ich eine langweilige Aufgabe zu erledigen habe. Jeder hat da so seine Vorlieben. Experimentieren Sie da ruhig ein bisschen.

Coronakrise: Achtsamkeit  hilft

Je flüssiger und selbstverständlicher Sie diesen Dreiklang aus 

Wahrnehmen - Atmen - Konzentration auf das, was Sie gerade tun

beherrschen, desto besser können Sie ihn im Krisenfall abrufen.

Damit Sie gleich ins Üben einsteigen können, habe ich für Sie eine kleine Achtsamkeitsmeditation vorbereitet, die Sie hier abrufen können:


Viel Freude damit - und: passen Sie gut auf sich auf!

About the author

Maria Fahnemann

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kunsttherapeutin und kreative Traumatherapeutin helfe ich Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Meine Behandlungsschwerpunkte sind: Anpassungsstörungen Depressionen Angststörungen Stress und Burnout Meine besondere Liebe gilt der Arbeit mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen.


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