Wenn der Partner Depressionen hat: 10 Dinge, die Sie tun können

Hilfe für Angehörige psychisch kranker Menschen

Wenn der Partner Depressionen hat: 10 Dinge, die Sie tun können

In diesem Blogpost erfahren Sie, wie Sie helfen können, wenn Ihr Partner Depressionen hat - und was Sie tun können, um sich selbst nicht zu vergessen.

1. Akzeptanz

Als allererstes: lernen Sie zu akzeptieren, dass die Depressionen Ihres Partners eine Krankheit sind. Ihr Partner, Ihre Partnerin ist nicht einfach "schlecht gelaunt" oder müsste sich "mal zusammenreißen". 

Ihr Partner ist krank. Und wer krank ist, braucht professionelle Hilfe. Depressionen zählen zu den häufigsten seelischen Erkrankungen. Wer Depressionen hat, hat meistens einen hohen Leidensdruck und verbreitet nicht mit Absicht schlechte Laune. Leider wirken sich Depressionen auch stark auf das Umfeld aus. Hat der Partner Depressionen, leiden Sie mit. 

Wenn Sie lernen, die Situation als Erkrankung zu akzeptieren, ist der der erste Schritt, mit der Situation besser klarzukommen.

2. Selbstfürsorge

Ja, Sie haben richtig gelesen. Sorgen Sie dafür, dass Sie bei Kräften bleiben. Sorgen Sie für sich selbst.

Es hat einen Grund, dass dieser Punkt hier an zweiter Stelle steht. Lesen Sie weiter, dann verstehen Sie, was ich meine.

Erinnern Sie sich an die Sache mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug? Wenn Sie neben einer Person sitzen, die im Ernstfall Hilfe braucht beim Aufsetzen der Sauerstoffmaske, müssen Sie zuerst sich selbst Ihre Maske überziehen, um dann Ihrem Sitznachbarn zu helfen.

So ist es auch, wenn Ihr Partner Depressionen hat. Es nutzt niemandem, wenn Sie sich in der Hilfe und Unterstützung, die Sie bieten wollen, verausgaben. 

Deshalb: Tun Sie sich regelmäßig selbst etwas Gutes. Was das sein kann, richtet sich nach Ihren Vorlieben: 

  • wenn Sie gerne spazieren gehen, tun Sie das auch weiterhin
  • treffen Sie sich weiterhin mit Ihren Freunden und der Familie
  • geben Sie nicht Ihre Hobbies auf, vielleicht schränken Sie das eine oder andere zeitlich ein wenig ein, aber geben Sie Ihre Interessen nicht auf
  • gönnen Sie sich regelmäßig eine bewusst genossene Tasse Tee, Kaffee oder Kakao, gehen Sie dazu in ein schönes, gemütliches Café
  • gehen Sie in die Sauna, gönnen Sie sich eine entspannende Massage

Sie sehen schon, in welche Richtung das geht. Wichtig ist: seien Sie (auch) für sich selbst da! Sie brauchen Ihre Kräfte. 

Sie sind keine Hilfe, wenn Ihnen die Puste ausgeht!

Hat Ihr Partner Depressionen? Sorgen Sie auch für sich selbst!


Denken Sie auch an sich selbst, wenn Ihr Partner Depressionen hat! Bauen Sie kleine Kraftinseln in Ihren Alltag sein. 

Das kann zum Beispiel auch der Besuch eines gemütlichen Cafés sein. 

3. Zuhören

Zuhören klingt manchmal einfacher als es ist. Leider neigen wir Menschen dazu, sofort eine Antwort, einen guten Rat oder unsere eigenen Erlebnisse zu äußern, wenn uns jemand seine Sorgen berichtet.

Das ist aber kein Zuhören. Richtiges Zuhören beginnt damit, sich selbst zurückzunehmen und einfach hinzuhören. Zeigen, dass man da ist, dass man versucht zu verstehen, was den anderen bewegt. Dass man Fragen stellt. 

Wenn Ihr Partner Depressionen hat, können Sie schon helfen, indem Sie ihm oder ihr zeigen, dass Sie da sind und einmal einfach zuhören. Ohne Ratschläge zu erteilen. Oder gar Aufforderungen wie "lach doch mal wieder" oder "so kenne ich dich gar nicht, sei doch mal wieder fröhlich". 

Das hilft nämlich leider gar nicht. 

Wenn Sie zuhören und signalisieren, dass Sie da sind, können Sie allein dadurch schon für Erleichterung sorgen. 

Aber, ganz wichtig: Werden Sie nicht zum Therapeuten Ihres Partners oder Ihrer Partnerin! Geben Sie zu, dass die Probleme, die der Partner Ihnen schildert Sie unter Umständen überfordern, dass Sie sie nicht lösen können. Bieten Sie Hilfe an - und fragen Sie danach, welche Hilfe erwünscht ist.

4. Hilfe anbieten

Hat Ihr Partner Depressionen, dann können Sie Hilfe anbieten - ohne alles für den Partner zu erledigen.

Menschen mit Depressionen haben oft das Problem, dass sie sich zu nichts aufraffen können. Ihnen fehlt einfach die Energie, oft für die einfachsten Erledigungen. Erst recht aber für Dinge, die schwierig erscheinen.

Dazu zählt auch die Suche nach ärztlicher oder therapeutischer Hilfe. Sie könnten Ihrem Partner daher anbieten, ihn dabei zu unterstützen. Zum Beispiel können Sie Adressen von Psychotherapeuten raussuchen, Telefonnummern recherchieren, so dass Ihr Partner dort anrufen kann. 

Sie können außerdem anbieten, Ihren Partner zum ersten Besuch beim Arzt oder Psychotherapeuten zu begleiten. 

Tun Sie all das aber nur in Absprache mit Ihrem Partner! 

Unterstützen Sie, helfen Sie, bieten Sie sich an. Aber akzeptieren Sie es, wenn Ihr Partner diese Hilfe nicht annimmt. Aber bleiben Sie hier ruhig am Ball: Wenn die Partnerin oder der Partner Depressionen hat, braucht er professionelle Hilfe. Sagen Sie, dass nicht Sie diese therapeutische Hilfe leisten können.

Es ist verständlich, wenn Angehörige ihrem depressiven Partner so viele Steine wie möglich aus dem Weg räumen möchten. Leider führt das aber häufig dazu, dass der erkrankte Partner sich noch "nutzloser" fühlt als er das möglicherweise ohnehin schon tut. 

Tun Sie also alles, um die Selbstwirksamkeit Ihres Partners zu stärken. Und das kann auch bedeuten, dass Sie von ihm verlangen, dass er die notwendigen Anrufe selbst tätigt. Auch wenn das schwer fällt. 

5. Ermutigen

Wenn Ihr Partner Depressionen hat, braucht er sicher auch Ermutigung und Zuversicht. Hier können Sie eine gute Stütze sein. Mit Ermutigung sind aber keine Sprüche wie "das wird schon wieder" oder "ist doch alles nicht so schlimm" gemeint. Erst recht nicht gut gemeinte Aufforderungen wie "lach doch mal" oder "reiß dich doch mal zusammen". 


Für den Partner mit Depressionen da sein


Ein Mensch mit Depressionen kann sich nicht "zusammenreißen". Es geht ihm wirklich schlecht. Mit Ermutigung ist eher gemeint, dass Sie ihm sagen, dass Depressionen eine behandelbare Krankheit sind. Dass Sie wissen, dass er nicht eine vorübergehende Laune hat, sondern krank ist. Und dass Sie ihn dabei unterstützen werden, Hilfe zu bekommen. 

Ermutigen Sie Ihren Partner auch immer wieder zu gemeinsamen Unternehmungen. Machen Sie immer wieder kleine Angebote. Bewegung tut Menschen mit Depressionen gut, schon ein Spaziergang an der frischen Luft kann, zumindest für den Moment, für Besserung sorgen. 

Je mehr Sie selber über diese Erkrankung wissen, desto besser können Sie diese Art der Ermutigung und Unterstützung leisten, deshalb: 

6. Informieren

Informieren Sie sich selbst über Depressionen und wirkungsvolle Behandlungsoptionen. Woran man Depressionen erkennen kann, habe ich in einem anderen Blogpost beschrieben. Hier finden Sie ihn. 

Der Vorteil: Je mehr Sie selbst über die Erkrankung wissen, desto leichter wird es Ihnen fallen, zu verstehen, dass die Symptome, die Ihr Partner mit Depressionen zeigt, nicht Bestandteil seiner Persönlichkeit sind, sondern Ausdruck eines seelischen Leidens. 

Wenn Sie sich außerdem darüber informieren, wie Depressionen behandelt werden, können Sie Ihrem Partner viel besser Mut machen, die Behandlung in Angriff zu nehmen. Die Deutsche Depressionshilfe hält auf ihrer Internetseite eine Fülle von Informationen und Hilfestellungen bereit. 

7. Selber Hilfe suchen

Suchen Sie sich selber Hilfe, denn das Leben mit einem Partner mit Depressionen kann viel Kraft kosten. 

Scheuen Sie sich also nicht, selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen! Schalten Sie Ihren Freundeskreis ein, reden Sie über das, was Sie bedrückt und belastet und bitten Sie um ein offenes Ohr oder ganz praktische Hilfe. Sie können auch eine Beratungsstelle aufsuchen oder sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anschließen.

Reden hilft! Was nicht hilft, ist die Erkrankung schamhaft zu verschweigen. Helfen Sie sich und Ihrem Partner raus aus der Stigmatisierung, raus aus der Isolation. Niemand hat Schuld an der Depression Ihres Partners, weder Sie noch er selbst. 

In meiner Praxis biete ich auch Hilfe für Angehörige Depressiver. Bei mir können Sie in Ruhe über alles reden - und was noch hilfreicher ist - unter meiner Anleitung lernen, mit kreativen Mitteln wieder zu sich selber kommen, sich zu entspannen und Mut zu fassen. Sprechen Sie mich an!

8. Die eigenen Gefühle wahrnehmen

...und ernstnehmen. Wenn Sie merken, dass die Situation Sie gerade überfordert, Sie selbst traurig oder wütend werden, nehmen Sie das ernst! Sie sind auch "nur ein Mensch". Gestehen Sie sich menschliche Schwächen zu.

Bennenen Sie das auch gegenüber Ihrem Partner. Ohne ihm Vorwürfe zu machen. Denken Sie daran, nicht Ihr Partner macht Sie wütend, sondern seine Erkrankung. 

So in etwa könnten Sie das ausdrücken: "Diese Depression macht mich gerade ganz schön wütend. Ich brauche jetzt mal eine Pause, um neue Kraft zu tanken." 

Partner Depressionen: Nehmen Sie auch Ihre Gefühle wahr


Hat der Partner Depressionen, können Sie nicht immerzu stark und verständnisvoll sein. Sie haben ein Recht darauf, auch mal kraft- und mutlos zu sein. 

9. Krisenfall

Das größte Risiko bei einer Depression ist die Suizidalität des Betroffenen. 

Wenn Sie den Verdacht haben, Ihr Partner beschäftigt sich mit Selbsttötungsgedanken, sprechen Sie das aktiv an! 

Viele haben die Sorge, dass sie einen depressiven Menschen erst auf die Idee bringen, sich selbst das Leben zu nehmen, wenn sie das Thema ansprechen. 

Das Gegenteil ist der Fall!

Ein Mensch, der sich damit beschäftigt, nicht mehr leben zu wollen, fühlt sich mit diesen Gedanken meist mutterseelenallein. Selbsttötungsgedanken sind für die allermeisten Betroffenen äußerst quälend. Hinweise auf Suizidgedanken können Sätze sein wie

  • "es hat alles keinen Sinn mehr"
  • "ich will nicht mehr"
  • "ich kann nicht mehr"

In aller Regel erleben es die Betroffenen als erleichternd, wenn jemand sie offen und ruhig darauf anspricht. 

So können Sie das machen:

Fragen Sie Ihren Partner zum Beispiel "hast du manchmal den Wunsch, nicht mehr leben zu wollen?", oder "ich mache mir Sorgen, dass du dir etwas antun könntest. Ist das so?"

Wenn er das bejaht, ziehen Sie professionelle Hilfe hinzu! Versuchen Sie nicht selber therapeutisch tätig zu werden. Überfordern Sie sich nicht, aber geraten Sie auch nicht in Panik. Das Thema anzusprechen, ist der erste Schritt!

Nehmen Sie entweder Kontakt mit einem Arzt oder einer psychiatrischen Klinik auf und schildern Sie, was los ist. Fahren Sie mit Ihrem Partner dorthin. Dort wird man ihm helfen. 

Sie können auch die 112 anrufen und einen Rettungswagen anfordern mit dem Hinweis, Ihr Partner habe suizidale Gedanken geäußert und Sie machten sich große Sorgen. 

Die deutsche Depressionshilfe hat eine Datenbank mit Krisendiensten und Beratungsstellen auf ihrer Internetseite. Dort können Sie Hilfsangebote in Ihrer Region finden. 

Ihr Partner hat Depressionen: bewahren Sie Ruhe

10. Ruhe bewahren und Vertrauen fassen

Es wird Situationen geben, in denen dies besonders schwer fällt. Wenn die Partnerin oder der Partner Depressionen hat, kann einen das ganz schön runterziehen. Das ist auch der Grund, weshalb ich in dieser Liste die Selbstfürsorge so weit nach oben gesetzt habe. 

Wenn Sie jetzt gut für sich sorgen, steigern Sie Ihre Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen Ruhe zu bewahren und sich nicht von den Depressionen Ihres Partners anstecken zu lassen. 

Depressionen sind behandelbar und heilbar! 

Ihr Partner hat Depressionen und Sie brauchen Unterstützung?
Sprechen Sie mich an!

Wenn Ihre Partnerin oder Ihr Partner Depressionen hat, brauchen Sie viel Kraft, um mit der Situation gut umzugehen. Lassen Sie sich dabei unterstützen! 

Als Heilpraktikerin Psychotherapie helfe ich Angehörigen seelischer erkrankter Menschen, diese belastende Lebensphase gut zu bewältigen. Ich höre Ihnen zu und biete Ihnen Raum, gut für sich selbst zu sorgen. Dabei arbeite ich überwiegend kunsttherapeutisch, weil ich der Meinung bin, dass dies eine der besten Methoden ist, Menschen in Lebenskrisen dabei zu helfen, gut für sich selbst zu sorgen. 

About the author

Maria Fahnemann

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie, Kunsttherapeutin und kreative Traumatherapeutin helfe ich Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Meine Behandlungsschwerpunkte sind: Anpassungsstörungen Depressionen Angststörungen Stress und Burnout Meine besondere Liebe gilt der Arbeit mit Angehörigen psychisch erkrankter Menschen.


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